Behaupte bloß nicht, die Natur sei kein Wunder. Erzähl mit bloß nicht, die Welt sei kein Märchen. Wer das nicht eingesehen hat, wird es vielleicht erst begreifen, wenn das Märchen sich bereits dem Ende nähert. Denn dann bekommen wir die letzte Möglichkeit, uns die Scheuklappen abzureißen, eine letzte Möglichkeit, uns diesem Wunder hinzugeben, von dem wir nun Abschied nehmen müssen... Ob du wohl begreifst, was ich hier auszudrücken versuche Georg? Niemand hat sich je unter Tränen von Euklids Geometrie oder dem periodischen System der Atome verabschiedet. Niemand zerdrückt ein Tränchen, weil er vom Internet oder dem Einmaleins getrennt wird. Es ist eine Welt, von der wir uns verabschieden, es ist das Leben, es sind Märchen und Abendteuer. Und dann müssen wir uns außerdem von einer kleinen Auswahl an Menschen verabschieden, die wir wirklich lieben. (Jostein Gaarder - Das Orangenmädchen)

Pseudohaus

ich und die imaginären Wände um mich herum...



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Meine persönliche Berlinale-Eröffnung fand heute um 16:00 statt. Als schon erfahrene Berlinale-Besucherin war es so, wie die Frau aus New York in der Ticketschlange beschrieb: Immer werden die Filme mit dem Berlinale-Clip - unter den Kinobetreuern, wie ich heute erfahren habe, "Fanfaren" genannt - begonnen und genau in dem Moment gibt es so einen wunderbaren Schauer der Vorfreude durch den ganzen Körper. Das erste Mal seit einem Jahr wieder zu sehen und zu hören bekommen. Um 16:00. Das genau war es.

Und von da an von einem Kino zum nächsten gepilgert. Drei Vorstellungen habe ich mir angesehen, wobei mich das Kurzfilmprogramm aber doch enttäuscht hat. Die letzte Vorstellung wollte ich dann eigentlich nicht mehr besuchen - ein französischer Film im Zoo Palast, aber letztlich tat ich es dann doch, weil ich keinen Abnehmer für die Karte fand und es nicht über mich brachte, sie verfallen zu lassen.
Die Schlange vor dem größten Kinosaal Berlins war groß. Im rotorangenen Licht stand ich auf dem Flur, dicht zwischen Menschen gedrängt. Auf dem Filmfest bin ich sehr kommunikativ geworden. Die Menschen sind meist offen für Gespräche und als Einheimische und Erfahrene kann ich viele Menschen mit Erklärungen und Tipps unterstützen, was meistens dankbar angenommen wird. In dem Moment auf der Treppe in der Schlange ergab sich aber nichts. Ich war mir selbst, meinen Gedanken überlassen.
Ich kannte die Treppe, den Teppich, das Licht. Die letzten Male war ich mit Victor dagewesen, Hand in Hand, Arm in Arm. Ich erinnerte mich, wie wir gemeinsam Kinderfilme gesehen hatten und - das war zwar in einem anderen Kino, aber das fiel mir dann ein - das "Schnitzelparadies" und wie wir uns nach dem Film geküsst hatten. Nach einem sehr langen, anstrengenden, aber vor allem ereignisreichen und schönen Tag, erreichte meine Stimmung doch einen ausgesprochen tiefen Tiefpunkt. Ich wünschte mir, endlich in den Kinosaal und mich hinsetzen zu können, denn ich fühlte mich schwach. Ich wünschte mir Victor her und die Liebe und die Küsse. Aber alles war weit weg und würde das auch bleiben.

Es ist das: Die "Pause" lang und auch noch eine kurze Zeit danach habe ich mir gewünscht, er würde zu mir zurückkommen. Das tue ich nicht mehr. Zum einen, weil ich ihn gar nicht mehr wieder annehmen könnte. (Das ist keine Sache des Stolzes, sondern eine des Vertrauens: Da das Vertrauen begründeter Weise nicht mehr da ist, müsste ich mir sicher sein, dass ich mein Leben im Fall dessen, dass er mich wieder verlässt, auch ohne ihn hinbekomme. Nur könnte ich mir das nie selbst beweisen, ohne es zu tun. Und es zu tun heißt eben, nicht mit Victor zusammen zu sein.) Und zum anderen, weil es sowieso nie, nie passieren wird. Victor ist wie ein Ballon, in den jemand eine Nadel gestochen hat: Liebe ist rausgezischt und egal, wie lange man die schlaffen Überreste bestuanen mag, es wird nie wieder der große, prall gefüllte Ballon daraus.
Ich sende nur einfach völlig hoffnungslos diesen Wunsch aus: "Ach könnte ich doch nur die Zeit zurückdrehen. Zurück in die Momente der großen Liebe, einfach nur dahin, in der Zeit zurück."

Aber dann tröstete mich der Film. Es war eigentlich ein Film über Liebe oder aber eher über Menschen, die alle frustriert von der Liebe sind. Die Geschichte spendierte gebrochenen Herzen eigentlich wenig Trost und so glaube ich, dass es dann doch an dem Festival-Ambiente und daran lag, dass ich mich nach zwei Stunden Konzentration auf den Film die Sentimentalität wegen des Kinosaals einfach überstanden hatte. Ich fühlte mich nach dem Film wieder sehr viel besser. Vielleicht war es aber auch der nette Mann mit dem ich in der Bahn ins Gespräch gekommen war. Es hatte sich herausgestellt, dass er und seine Frau in den gleichen Vorstellungen gewesen waren wie ich. Und nachdem wir uns im Zoo Palast nach einem guten Gespräch verloren hatten, suchte er mich in dem Kinosaal noch einmal, um mir viel Spaß und Auf Wiedersehen zu wünschen.
Am Treppenfuß dann nutzte ich die Chance, Autogramme von Regisseur und Hauptdarstellerin zu bekommen, obwohl ich von beiden nicht die Namen wusste und heimste die Dankbarkeit einer Frau ein, die das gleiche Vorhaben, aber keinen Stift zur Hand hatte.
Und dann war ich auf dem Rückweg glücklich. Wackelte mit dem Kopf zur Musik in meinen Ohren, fuhr nach Hause und ging die letzten drei Kilometer, da kein Bus mehr kam, zu Fuß. Freute mich sogar, über die nette Einladung zum Abendspaziergang, die mir die Nacht nach diesem langen Tag machte.
9.2.08 01:42
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


chrissy / Website (9.2.08 13:39)
oh sieh an, sag bloß du kommst auch aus der hauptstadt? scheint bei myblog recht viele von uns zu geben

und endlich mal jemanden gefunden, dessen archiv länger ist, als das bei meinem anderen blog *lach*
nur leider weiß ich dann gar nicht, wo ich anfangen soll mit mitlesen

wenns dich nicht stört, schau ich jetzt öfters mal vorbei

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