Behaupte bloß nicht, die Natur sei kein Wunder. Erzähl mit bloß nicht, die Welt sei kein Märchen. Wer das nicht eingesehen hat, wird es vielleicht erst begreifen, wenn das Märchen sich bereits dem Ende nähert. Denn dann bekommen wir die letzte Möglichkeit, uns die Scheuklappen abzureißen, eine letzte Möglichkeit, uns diesem Wunder hinzugeben, von dem wir nun Abschied nehmen müssen... Ob du wohl begreifst, was ich hier auszudrücken versuche Georg? Niemand hat sich je unter Tränen von Euklids Geometrie oder dem periodischen System der Atome verabschiedet. Niemand zerdrückt ein Tränchen, weil er vom Internet oder dem Einmaleins getrennt wird. Es ist eine Welt, von der wir uns verabschieden, es ist das Leben, es sind Märchen und Abendteuer. Und dann müssen wir uns außerdem von einer kleinen Auswahl an Menschen verabschieden, die wir wirklich lieben. (Jostein Gaarder - Das Orangenmädchen)

Pseudohaus

ich und die imaginären Wände um mich herum...



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Music: Der Hund Marie - Stellt mich auf die Beine I Mood: nicht nachdenken

Der rote Faden ist sehr gut versteckt. Ob jemand versteht, was ich damit sagen mag? Ich bin schon zu müde, um es klarer herauszuarbeiten.

Es ist etwas anders. Es gibt Dinge, die lernt man und dann ist man sich nicht sicher, ob einem das Gelernte gut bekommt.
Natürlich war ich verliebt ab und zu und dann hat sich das verflogen. Aber wirklich geliebt habe ich nur Victor. Nur Victor und dann noch meine Familie, wenn auch auf etwas andere Art, meine Eltern, meinen Bruder. Die bleiben immer. Blut ist wohl wirklich dicker als sonst etwas. Man streitet sich, man streitet sich sehr heftig und wünscht sich gegenseitig weg. Aber man kommt nie wirklich auf die Idee, sich zu trennen. Ich meine, ich ziehe hier weg, aber ich verlasse meine Familie nicht. Emotional bleibe ich immer bei ihr - auf diese eine Art. Man stellt diese Art nicht in Frage. So viel verbindet einander. Man weiß, dieser Mensch ist Teil eines selbst - man könnte vor ihm weglaufen und würde ihn trotzdem immer mit sich tragen.
Ich kannte nur diese Art der wirklich tiefen Beziehung. Und eben so nahm ich dann auch Victor in mein Leben auf. Je länger zusammen waren und und je näher wir uns damit kamen, desto mehr wurde er ein Teil von mir. Trennung wurde ein bedeutungsloses Wort. Sie war über Definition einfach nicht möglich: Ich überlegte nicht mehr, ob das Leben für mich einen hübscheren, freundlicheren, liebevolleren, besseren Mann für mich bereithalten könnte. Sogar wenn das Leben diese Frage bejahte, ohne dass sie gestellt wurde. Es gab keine Qualitäten, die jemand hätte vorweisen können, für die ich Victor verlassen hätte. Der Gedanke schien mir nicht weniger abstrus, als meine Mutter gegen die Backtante aus der Werbung einzutauschen. Was mich mit Victor verband, war Liebe und Vertrauen, eine gemeinsame Vergangenheit und - so glaubte ich - eine gemeinsame Zukunft. Nahezu egal, wie diese Zukunft ausgesehen hätte.

Ironischer Weise fast genau einen Monat bevor Victor sich von mir trennte, hatte ich für mich den Entschluss gefasst, mit Victor alt werden zu wollen. Wirklich. Bis dahin hatte ich immer noch Angst gehabt, das Studium könnte uns entfremden, aber mit der dieser Angst verlor nach Studiumsbeginn auch alle anderen Zweifel. Und ich war bereit Victor zu lieben, wenn er während seiner Abschlussarbeit kaum Zeit für mich haben würde. Ich war bereit, ihn zu lieben, wenn er vom Stress lauter Pickel würde und wenn er später nach einer Schilddrüsenoperation ganz dick werden würde. Auch wenn er mit dem Alter immer launischer werden würde.
Es war keine Frage, ob ich das wollte. Natürlich wollte ich, aber darüber dachte ich damals nicht nach. Es war mehr die Frage, ob ich das konnte und ich glaubte in jenen Wochen sehr fest, dass ich das können würde. Ich fühlte mich für Victor verantwortlich. Ich fühlte ihn als Teil von mir und mich als Teil von ihm. Für mich fühlte sich diese Bindung viel schöner und unbeschwerter an als zu meiner Familie, aber trotzdem genauso intensiv. Ich liebte ihn wie einen Liebhaber, aber auch wie ein Elternteil und wie ein Kind zugleich. Völlig fern war es mir, zu denken, er sei austauschbar, ersetzbar, aus meinem Leben demontierbar. Kategorisch nicht.

Aber er hat mir ja jetzt gezeigt, dass es so sein muss. Dass es möglich sein muss, die Liebe zu Menschen abzustreifen und andere wieder neuaufzusetzen. Wie Kleidung oder Schminke.
Diese Gesellschaft sagt, dass die Verwandtschaft keine Wahlbeziehung ist. Du hast in der Regel eine Mutter, einen Vater und niemand bringt dich auf die Idee, du könntest sie einfach so austauschen. Bei Liebespartnern wird aber fast von einem erwartet, dass man sie wechselt. Deswegen muss es so sein. Ich habe gelernt, dass es so sein muss.
14.1.08 23:40
 


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