Behaupte bloß nicht, die Natur sei kein Wunder. Erzähl mit bloß nicht, die Welt sei kein Märchen. Wer das nicht eingesehen hat, wird es vielleicht erst begreifen, wenn das Märchen sich bereits dem Ende nähert. Denn dann bekommen wir die letzte Möglichkeit, uns die Scheuklappen abzureißen, eine letzte Möglichkeit, uns diesem Wunder hinzugeben, von dem wir nun Abschied nehmen müssen... Ob du wohl begreifst, was ich hier auszudrücken versuche Georg? Niemand hat sich je unter Tränen von Euklids Geometrie oder dem periodischen System der Atome verabschiedet. Niemand zerdrückt ein Tränchen, weil er vom Internet oder dem Einmaleins getrennt wird. Es ist eine Welt, von der wir uns verabschieden, es ist das Leben, es sind Märchen und Abendteuer. Und dann müssen wir uns außerdem von einer kleinen Auswahl an Menschen verabschieden, die wir wirklich lieben. (Jostein Gaarder - Das Orangenmädchen)

Pseudohaus

ich und die imaginären Wände um mich herum...



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Warum liebst du mich nicht mehr, Victor?
Am Mittwochabend noch, ja, ich weiß, dass es ein Mittwoch war, lagen wir sehr müde in meinem Bett. Du wolltest mich küssen und wir küssten uns, aber ich war so müde, dass ich fast dabei einschlief. 'Dann lass ich dich jetzt schlafen', sagtest du. Und für diesen kurzen Moment, den ich dann noch wach war, atmete ich deinen Geruch dicht bei mir, spürte deine Hand, wie sie sanft über Kopf und Nacken strich. Ich war so glücklich und hatte gedacht, dass ich dich am nächsten Tag dafür umso mehr küssen wollte. Aber der nächste Tag war jener Donnerstag, an dem du den ersten Schritt auf dem Weg aus unserer Liebe genommen hast. Donnerstag Abend habe ich mich in den Schlaf geweint.
Du wolltest von da an nicht mehr über Liebe reden. Als du es tatest, sagtest du, du liebst mich nicht mehr.


Tom Tykwer verfilmte das Parfum. Ich sah das gestern.

Richis stand am Wasserbecken. Grenouille hatten sie Kopfüber an den Füßen aufgehenkt und die Handgelenke hinter dem Rücken verbunden, sodass er sich nicht wehren konnte.
Sie ließen ihn ins Wasserbecken herab. Als sie ihn wieder herauszogen, schnappte sein Mund gierig nach Luft.
"Warum hast du meine Tochter umgebracht?" fragte Richis.
Es brauchte einen Moment, bis er es formulieren konnte. "Ich brauchte sie." sagte Grenouille.

Der Schmerz durchzog wabernd Richis' Körper, sein Mund verkrampfte sich.
Man ließ Grenouille wieder ins Wasser fallen. Richis beobachtete ihn völlig starr. Seine Augen tasteten den Körper ab, der da kopfüber hing. Er gierte danach, ihn leiden zu sehen. Und er sah ihn leiden: Er sah ihn zucken, als Grenouille schon kritisch lange unter Wasser war. Aber die Befriedigung, auf die Richis gehofft hatte, stellte sich nicht ein. Grenouille wurde wieder herausgehoben. Sterben sollte er ja noch nicht.
"Warum hast du meine Tochter umgebracht?"

Grenouilles Mundwinkel verzogen sich nur ein Stück, aber ein Stück, das Schmerz bedeutete. Kein Schmerz der Folter wegen, kein Schmerz aus Empathie mit dem alten Mann, der alles, was ihm wichtig war, verloren hatte. Es schmerzte das Unverständnis. Warum konnte ihn der Alte nicht verstehen? Er wusste nicht, wie er es sonst sagen sollte.
"Ich brauchte sie."

Und es platschte, als man ihn zurück in Wasser warf. Richis stand fassungslos am Wasserbecken. Es schmerzte. Der Verlust. Die Ungerechtigkeit. Es gab nichts, was er diesem Mann nehmen konnte, dass ihn auch nur annähernd so sehr leiden lassen würde wie er selbst. Dieser Mann spürte den Wert dessen, was er zerstört hatte nicht. Und selbst überdies hinaus, merkte Richis, dass das Leiden dieses Mannes ihm sein eigenes nicht austreiben können würde. Aber vor allem schmerzte das Unverständnis. Wie konnte so etwas passieren? Wie konnte es nur? Wie konnte es wahr sein, dass er jetzt an diesem Wasserbecken stand. Ohne seine Tochter. Nie wieder mit seiner Tochter. Wie? Er wollte es verstehen. Aber alles, was ihm diese Kröte sagen konnte, war, 'Ich brauchte sie'. 'Ich brauchte sie'. Einfach nur 'Ich brauchte sie'.
13.1.08 11:47
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


flo / Website (13.1.08 17:28)
ich sah diesen film letzte woche.
als ich deine worte hier las, sah ich die szene nochmals vor augen.

ich dachte, du haettest diese worte vielleicht aus dem buch geschrieben. hast du aber offenbar nicht...

geistert in deinem kopf das wort 'warum' herum?


alice / Website (13.1.08 19:23)
ja. ich weiß, dass es darauf keine antwort gibt, die ich verstehen kann, aber es ist einfach in meinem kopf.

ich schrieb die szene so auf, wie ich sie im Kopf behalten hatte. Im Buch - ich glaube, da war die Szene sogar noch ein bisschen anders als im Film.

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