Behaupte bloß nicht, die Natur sei kein Wunder. Erzähl mit bloß nicht, die Welt sei kein Märchen. Wer das nicht eingesehen hat, wird es vielleicht erst begreifen, wenn das Märchen sich bereits dem Ende nähert. Denn dann bekommen wir die letzte Möglichkeit, uns die Scheuklappen abzureißen, eine letzte Möglichkeit, uns diesem Wunder hinzugeben, von dem wir nun Abschied nehmen müssen... Ob du wohl begreifst, was ich hier auszudrücken versuche Georg? Niemand hat sich je unter Tränen von Euklids Geometrie oder dem periodischen System der Atome verabschiedet. Niemand zerdrückt ein Tränchen, weil er vom Internet oder dem Einmaleins getrennt wird. Es ist eine Welt, von der wir uns verabschieden, es ist das Leben, es sind Märchen und Abendteuer. Und dann müssen wir uns außerdem von einer kleinen Auswahl an Menschen verabschieden, die wir wirklich lieben. (Jostein Gaarder - Das Orangenmädchen)

Pseudohaus

ich und die imaginären Wände um mich herum...



  Startseite
  Über...
  Archiv
  Schön ist es, ...
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 



  Freunde
    wednesday
    - mehr Freunde




  Links
   Ein Blog
   Noch einer
   Und noch einer
   Und noch einer



...entschuldigung



https://myblog.de/vapoe

Gratis bloggen bei
myblog.de





Schnipseljagd

Gestern traf ich Victor wieder.
Genau zwei Wochen hatten wir uns nicht gesehen. Wir hatten uns um 11 Uhr am Bahnhof verabredet und das hatte Victor vielleicht ein bisschen verwundert, denn er fragte am Abend davor via sms ob wir dann nicht mit dem gleichen Bus zum Bahnhof fahren, und also schon vor dem Bahnhof sehen w?rden. Ich antwortete ihm darauf und wich gleichzeitig einer richtigen Antwort auf seine Frage aus.
Am n?chsten Morgen war ich n?mlich nicht wie verabredet um 11 Uhr, sondern eine gute Stunde fr?her am Treffpunkt.
"Hallo Victor! Folge dem wei?en Kaninchen." schrieb ich mit heller Kreide bei der Bushaltestelle auf den Boden und zeichnete Kreidekaninchen auf dem Weg zum Bahnsteig auf den Boden.
"Bitte bring mir eine Schachtel Himbeeren mit." schrieb ich neben das Kaninchen, dass ich am Obststand auf dem Boden hinterlie?. Und auf dem Bahnsteig war ich dann achtsamer beim Kaninchen zeichnen, denn ich dachte, es w?re ung?nstig schon wieder mit dem Bahnhofsw?rter wegen sogenannter Sachbesch?digung konfrontiert zu werden. Ein alter Mann sprach mich auch zwar freundlich aber ermahnend an, dass ich wegen den Kreidezeichnungen ?rger mit den Bahnbeamten bekommen k?nnte.
Dann stieg ich in die Bahn und stieg eine gute Viertelstunde sp?ter wieder aus. Ich hinterlie? recht viele Kaninchen auf dem Bahnsteig um sicherzugehen, dass Victor sie sehen w?rde, wenn er hier eintreffen w?rde.
Es war schon halbelf. Ich schrieb Victor via sms: "Nun fahren wir doch nicht mit dem gleichen Bus. KAuf dir am besten eine Tageskarte und wenn du in die Bahn steigst, schau immer aus dem Fenster."
Ich verlie? den Bahnhof um zu dem n?chsten zu kommen - unterwegs immer wieder Kaninchen. Bei der Untergrundbahn die Treppe hinunter, den Flur entlang und am Bahnsteig bis zu der Stelle, die ich am Montag errechnet hatte - Kaninchen.
Die Digitalanzeige an der Decke prognostizierte die Ankunft der n?chsten Bahn in f?nf Minuten. Ich lehnte mich an die Treppenwand und beruhigte meinen Atem, der sich bei dieser doch ordentlichen k?rperlichen Bet?tigung beschleunigt hatte. Aus der Ferne h?rte ich Akkordeonmusik, der folgte ich ein St?ck den Bahnsteig hinunter, aber als ich erkannte, dass sie von oberhalb kam, kehrte ich doch zum anderen Ende des Bahnsteigs zur?ck, wo der Zug einfahren w?rde. Und als er dann einfuhr, genoss ich den Zugwind, der mir die Haare um den Kopf schlug.
Ich stieg ein, lauschte ein paar Minuten dem Rauschen der Bahn in den Tunneln, stieg dann aus und sah auf die Uhr. Zehn vor elf. Ich war ja diesmal nicht Alice, sondern das wei?e Kaninchen und ich war, wie eben die wei?en Kaninchen es immer sind, zu sp?t. Oder zumindest knapp in der Zeit.
Ich lie? gr??ere Abst?nde zwischen den Kreidezeichnungen, als ich die Stra?en hinunter eilte.
"Bitte bring mir auch zwei ?pfel mit", schrieb ich neben das Kaninchen als ich beim n?chsten Obstladen vorbeikam. Mir fiel ein, dass Fr?chte ?berhaupt ganz arg tolle Sachen sind.
"Erst gehen, wenn es gr?n ist", hinterlie? ich zusammen mit einem sitzenden Kaninchen an der Ampel.
Beim Bestattungsinstitut ?berquerte ich die Stra?e ohne Kaninchen zu hinterlassen, markierte ab dem Krankenhaus den Weg zum Ufer der Spree mit Kaninchen. Und als Victor mich via sms fragte, wo ich sei, antwortete ich nicht, aber fasste endlich den Mut ins Betsattungsinstitut zu gehen. Ich bat den alten mann hinter dem Tisch, dem Jungen mit l?ngeren dunklen Haaren und Brille, wenn er dann in seinem Laden stehen w?rde, auszurichten, dass er auf dem Parkplatz des Krankenhauses nach Kaninchen sollte. Die Idee einer Schnipseljagd quer durch die Stadt schien den alten zu belustigen und er versprach, genau das auszurichten. Ich dankte, ging hinaus und zeichnete ein Kaninchen, dass direkt ins Bestattungsinstitut hinein zeigte.
Als ich wieder beim Wasser stand, ?berlegte ich, dass es viel lsutiger w?re, wenn Victor mich hier am Ende des Kaninchenpfades gar nicht finden, sondern auf der anderen Seite des Wasseres sehen w?rde. Der Weg f?hrte mich ?ber eine Br?cke. Es war schon zwanzig nach elf. Ich eilte, hoppelte und freute mich zugleich ?ber meinen Streich der offenbar zu gelingen schien.
Am anderen Ufer breitete ich meine Decke aus, setzte mich und l?ftete mein verschitztes Hemd. Halb zw?lf. Ich sch?tzte, dass Victor nicht vor viertel vor zw?lf auf dem anderen stehen w?rde, da allein die Bahnfahrt insgesamt 25 Minuten brauchte. Als ich mich von meinem kleinen Wettlauf gegen die Zeit erholt hatte, a? ich ein paar Rosinen, bis sich der s??liche Geschmack in meinem Mund ausgebreitet hatte. Ich steckte die T?te zur?ck in meinen Rucksack und besah mir das in den letzten zwei Stunden ganz drastisch geschrumpfte Kreidest?ck. Schlie?lich schrieb ich auf das gemauerte Ufer der Spree, "Ich hab mich doch entschieden, dass es auf der anderen Seite viel sch?ner ist." und packte meine Sachen wieder zusammen. Ich nahm mir vor, wenn Victor dr?ben auftauchen w?rde, ihn herzuwinken und wenn er dann ?ber die eine Br?cke her?berkommen w?rde, ?ber die andere wieder ans andere Ufer zu gehen, wo es n?mlich wirklich sch?ner war und man die Schw?ne beim Sonnen beobachten konnte.
28.7.05 20:43
 


Werbung


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


flo (28.7.05 22:24)
es liest sich wie die fabelhafte welt der amelie
ich las es gerne und dachte, dass es sicher schoen ist, dich als freund zu haben.


knuble (29.7.05 16:06)
thats how i feel all the time...@flo

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


Die Datenschuterklärung und die AGB habe ich gelesen, verstanden und akzeptiere sie. (Pflicht Angabe)

 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung